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POSTPUNKTIONELLE KOPFSCHMERZEN
ICD10: G44.820

Postpunktionelle Kopfschmerzen können nach einer Punktion (= Einstich, Anstich) der Dura mater spinalis (= Rückenmarkshaut) bzw. des Liquorraumes (= enthält den Liquor cerebrospinalis, also die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, auch als "Nervenwasser" bezeichnet) auftreten, dabei spielt es keine Rolle, ob die Punktion in diagnostischer (Flüssigkeitsentnahme zur Untersuchung) oder therapeutischer (Einspritzen eines Medikaments) Absicht erfolgte.

Postpunktionelle Kopfschmerzen entstehen dadurch, daß sich das iatrogen (= durch ärztliche Einwirkung  im Rahmen einer Diagnostik oder Therapie) entstandene Loch nicht schließt und durch dieses Leck dann Nervenwasser austritt und es auf diese Weise zu einem Unterdruck kommt, was das Gehirn mit einer Weitstellung seiner Gefäße zu kompensieren versucht. Außerdem verursacht dieser Unterdruck eine Hirnverlagerung nach unten, also steisswärts, wobei ein Zug auf schmerzempfindliche Strukturen (Nerven, Gefäße, Hirnhaut) entsteht und so diese Kopf schmerzen provoziert.

Postpunktionelle Kopfschmerzen entwickeln sich innerhalb von fünf Tagen. Sie verstärken sich nach dem Aufrichten aus liegender Position innerhalb von 15 Minuten  und werden nach dem Hinlegen wieder besser. Begleitend können Tinnitus (= Ohrgeräusche), Hypakusis (= Schwerhörigkeit), Photophobie (= Lichtscheu) oder Übelkeit auftreten. Bezüglich einer dominanten Lokalisation lassen postpunktionelle Kopfschmerzen kein einheitliches Muster erkennen. Mal geben Patienten an, der ganze Kopf würde schmerzen, bei anderen ist eher der Hinterkopf oder auch bevorzugt die Stirn betroffen.

In den meisten Fällen klingen postpunktionelle Kopfschmerzen spontan (= von alleine) innerhalb einer Woche wieder ab.

Kausale (= ursächliche) Therapie, falls sich das Dura-Leck nicht von selbst (wie in den meisten Fällen) verschließt:
Epidurale Eigenblutinjektion, ein sog. blood patch. Dabei werden ca. 15  ml Eigenblut in den dorsalen
(= rückwärtigen) Epiduralraum in Höhe der Punktion eingebracht. Kurze Zeit später gerinnt dann das Blut und verschließt so das Leck. Die Erfolgsquote soll bei über 80 % liegen.

In der Regel  klingen postpunktionelle Kopfschmerzen innerhalb von 48 Stunden nach erfolgreichem Verschluß des Liquorlecks wieder ab.

Symptomatische (= auf das Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie:
Neben Bettruhe werden in der Literatur  3 x 200 mg bis 4 x 300 mg Coffein pro Tag oder 3 x 350 mg Theophyllin pro Tag empfohlen.

Leider gibt es aber (gar nicht so selten) Fälle, bei denen postpunktionelle Kopfschmerzen weiter anhalten und so zu einem Schmerzproblem werden.

Spezielle Schmerztherapie bei weiter anhaltenden Kopfschmerzen:
Diese Kopfschmerzform kann auch als posttraumatischer Kop fschmerz bezeichnet und so behandelt werden.
Bei einem anhaltenden Schmerz hat sich die therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) sehr bewährt. Dabei werden (stationär 1 bis 2 mal täglich) alle Nerven, die an der sensiblen Versorgung des Schmerzbereichs beteiligt sind, an ihrem Austrittspunkt mit 1-2 ml blockiert. Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis- Region (= Schläfenbereich) und korrespondierende Triggerpunkte (= Schmerzreizpunkte) infiltriert.

Hilfreich sind darüber hinaus wechselseitige, serielle Blockaden des Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich).

Bestehen postpunktionelle Kopfschmerzen längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen im Rahmen der speziellen Schmerzpsychotherapie zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.

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